Situation

Ich wurde letztens mal wieder aus heiterem Himmel zu einer WhatsApp Gruppe zur Organisation einer Veranstaltung im erweiterten Freundeskreis hinzugefügt. Das Thema ist nicht so wichtig. Als ich erfasst hatte, worum es gehen soll, habe ich mir die Teilnehmerliste angesehen.

Was mir aufgefallen ist

  1. Ich habe mehr Personen entdeckt, die mir unbekannt, statt bekannt waren. Das hat meine Tendenz dahingehend verschoben, der Veranstaltung schlussendlich abzusagen.
  2. Einer der Teilnehmer, die ich nicht kannte, hatte als Status-Text das Wort „Rabattmillionär“ umrahmt von ein paar Emojis.

Ich möchte das ganze mit diesem Artikel etwas reflektieren und näher auf die beiden Punkte eingehen.

Fremde Menschen

Ich sehe mir die Teilnehmerlisten von Veranstaltungen an und entscheide anhand derer, ob ich hingehe oder nicht. Daran, ob genügend Leute dabei sind, die ich kenne und mag, weil ich vorhabe mich dann ausschließlich mit denen zu unterhalten. Was ist das für ein begrenztes Mindset?

Es ist ein gewohnter Impuls, der eine Angewohnheit offenlegt, die mir nicht gefällt. Das Ablehnen, neue Menschen kennenzulernen. Ich denke jeder von uns kennt Situationen, in denen wir auf Veranstaltungen nur mit den Leuten herumhängen, die wir eh schon kennen. Bei unseren bestehenden Freunden wissen wir, worauf wir uns einlassen. Wir wissen, dass der Abend schon nicht schlecht verlaufen wird, wenn wir uns an altbewährtes halten, denn die letzten Abende sind ja auch alle nicht schlecht verlaufen.

Neue Leute kennen zu lernen bedeutet, dass der Verlauf des Abends ungewiss ist. Müssen wir uns von einem höflich langweiligen Smalltalk Thema zum nächsten Hangeln oder finden wir einen interessanten Menschen, der etwas zu erzählen hat. Über ein Thema, das uns interessiert. Eventuell ist er oder sie ein guter Witzeerzähler. Man kann es vorher nicht wissen.

Ich möchte nicht mehr pauschal Abenden absagen aus dem Grund, dass ich kaum Leute von der Teilnehmerliste kenne. Neue Leute laden zum Netzwerken ein. Im Zweifel ist der Abend eine Investition, die schief gelaufen ist, wenn wir wirklich niemand interessanten finden.

Rabatt Millionär

Rabatte zu nutzen, wenn möglich, ist großartig. Oft jedoch kauft man über Rabatte Dinge, dann man nicht braucht und rechtfertigt diesen ungerechtfertigten Konsum durch die gesparten Prozente. In den letzten Tagen war Black Friday und Cyber Monday Sale und davor eine Woche voller Rabattaktionen. Pünktlich, um noch ein Kapital für Weihnachtsgeschenke aus dem Novemberbudget der Meute abzupumpen. Da reibt sich jeder Händler die Hände.

Wie viel hast Du an der Aktion gespart?

Wie viel Zeug hast du gekauft, das du nicht brauchst?

Rechne die Konsumentscheidungen gegen das, was du bei den Dingen gespart hast, die du wirklich brauchst. Wenn das Ergebnis ist, dass du am Ende mehr ausgegeben hast, als wenn du die Dinge, die du brauchst außerhalb vom Black Friday gekauft hättest, bist du den Verkäufern in die Falle gelaufen. Das ist mir früher regelmäßig passiert.

Was ist der Trick dabei? Die Rabatte selbst sind gar nicht das Problem. Dazu kommt noch die Verknappung. Indem offen kommuniziert wird, dass diese Angebot nur an diesem einen Freitag im Jahr verfügbar sind und auch nur solange der Vorrat reicht, wird die Verfügbarkeit eingeschränkt. Wir werden zu einer Impulshandlung gedrängt, haben nicht viel Bedenkzeit.

Es scheint mir ein wenig in unserer DNA verankert, dass wir lieber zu viel Zeug hamstern als später an irgendwas zu wenig zu haben.


Black Friday & Cyber Monday

Was ich gekauft habe:

  • Zwei Sachbücher
  • Eine Powerbank
  • Wasserkocher
  • Staubsauger

Die Bücher dienen der Weiterbildung, die 20.000mAh Powerbank versorgt mein Handy auf zukünftigen Bahnreisen mit Strom, Wasserkocher und Staubsauger besitze ich aktuell nicht (genau wie eine Powerbank) und stehen als Anschaffungen bis mitte Dezember schlicht an. Die Bücher waren nicht im Discount, die hatte ich schon länger auf der Liste. Wasserkocher, Staubsauger und Powerbank waren im Angebot. “Im Angebot” ist hier mit Vorsicht zu genießen, wie Du später lesen kannst.

Was ich im Gegensatz zu den letzten Jahres aus meinem Einkaufswagen wieder hinaus geworfen habe: Einen Fernseher, zwei Flaschen Whiskey, ein Set Küchenutensilien mit viel mehr Töpfen als ich tatsächlich brauche, noch mehr Arbeitsspeicher für meinen PC, um ein paar Prozent effizienter bei der Programmierarbeit sein zu können.

Wie habe ich das geschafft? Nach jedem Impuls von: “Ich will das haben!” – habe ich es in meinen Einkaufswagen gelegt. Am Abend nach ein paar Stunden Abstand bin ich die Gegenstände durchgegangen und habe mich bei jedem gefragt, ob ich es wirklich brauche. Bietet es mir langfristigen Mehrwert oder ist es nur ein reiner Konsumartikel?

Was Rabatte bewirken

Am (Cyber) Montag habe ich im Büro noch jemanden sagen hören er verfluche Amazon. Die bei Amazon seien ja solche hinterhältigen Leute, weshalb er viel zu viel Geld ausgegeben hat. Schuld haben immer die anderen. Auf die Gegenfrage, ob er irgendetwas von dem Zeug, das er gekauft hat auch wirklich gebrauchen könne, antwortete er stolz “Nein!” und grinste.

Ja, stolz. Stolz auf die Errungenschaft 700 Euro gespart zu haben, indem er nur 400 Euro für die 1100 Euro Warenwert bezahlt hat. Solche Aussagen kenne ich aus der TV Werbung, wenn der bunte mega-super-ober-Deal in fetten Buchstaben über den Bildschirm explodiert und der in knallrot gekleidete Marktschreier einem das ganze entgegen brüllt.

Handy plus Fernseher und Auto Gratis dazu beim Kauf von nur zwei Waschmaschinen für nur 7.000 statt 20.000€!!!

Ich befand mich schon oft in der Situation mich mit der vermeintlichen Ersparnis für den Kauf zu rechtfertigen. Man sieht Rabatte und guckt interessiert näher hin, bis man sich wirklich für das Produkt begeistert. Im Kaufrausch schmeißt man noch viel mehr Dinge in den Einkaufswagen, auf die man ohne die Rabattaktion gar nicht gekommen wäre. Die Handwerkskunst des Vertriebs. Es gibt so viele Anschaffungen, bei denen ich aus heutiger Sicht die Hände über dem Kopf zusammenschlage. Aber nun gut.

Nicht endlos bereuen. Lerne aus Fehlern und mach es in Zukunft besser.

Ich habe erwähnt, dass die Powerbank, der Staubsauger und der Wasserkocher im Angebot waren. Heute habe ich die aktuellen Preise noch einmal nachgeschaut. Und musste feststellen, dass die Powerbank zum selben Preis angeboten wird. Es hat einfach nur jemand ein Angebotsschild draufgeklebt und später wieder abgenommen, ohne den Preis zu ändern. Reingefallen.

Der Staubsauger wurde für ~70 statt ~170 Euro angeboten. Ein echtes Schnäppchen! Denkste. Der reguläre Preis von 170 Euro ist nur Marketing, denn das Produkt wird dauerhaft für ~88€ verkauft. Immerhin überhaupt ein Preisvorteil.

Beim Wasserkocher war es ähnlich:

  • Originalpreis: 70€.
  • Angebot: 29€.
  • Heutiger Normalpreis: 33€.

Der Originalpreis steht immer dabei. Das vermittelt dem Kunden den Eindruck, dass er hier ein sehr gutes Geschäft macht. Das ist (wieder) simples Verkaufshandwerk. Man könnte sich darüber aufregen, wie sehr einen die kapitalistischen Händler doch abzocken. Ich für meinen Teil bereue diesmal keinen Kauf, denn es handelte sich um Dinge, die ich brauchte und für die ich so oder so Geld ausgegeben hätte.

Zusätzlich habe ich jetzt ein paar Methoden aus dem Vertrieb live erleben können, die ich später mal selbst anwenden kann.

Investieren statt konsumieren

Es geht schlussendlich nicht darum hier und da noch einen Euro zu sparen. Sparen tut man, indem man die Scheiße gar nicht erst kauft. Wer 400 statt 1.100 Euro am Black Friday für Kram ausgibt, hat nicht 700 Euro gespart, sondern 400 Euro verloren. Rabatt Millionäre sind Millionäre des ver konsumierten Kapital.

Ich habe mir folgendes zur Regel gemacht: Wenn ich ein Produkt kaufen will, entscheide ich, ob es eine Investition ist oder einfacher Konsum. Eine Investition zeichnet sich immer dadurch aus, dass es kurzfristig nicht unbedingt den größten Spaß bringt, aber sich langfristig über den Einsatz hinaus auszahlt. Konsum hingegen ist einfach nur ein schwarzes Loch für Zeit, Geld und Energie. Kurzfristiger Spaß und dann kein Mehrwert mehr.

Die Regel befolge ich nicht dogmatisch. Ich kaufe mir auch manchmal Bullshit, um Spaß zu haben. Dafür habe ich ein Budget.


2 Kommentare

Judith · 28. November 2018 um 22:36

Dinge in den Warenkorb packen, sie dort ruhen lassen, seinen Kopf+Gefühle sortieren und dann sich nochmal seiner Shoopinglist widmen – gute Strategie! Fahre ich selbst auch.
Man braucht zwar etwas mehr Geduld und Zeit, aber es lohnt sich eigentlich jedes Mal!

Judith · 28. November 2018 um 22:38

Zu den „Fremden Menschen“:
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Aber man darf auch einfach mal keine Lust auf neue Menschen oder überhaupt Menschen haben.
Freu dich einfach. Es wurde an Dich gedacht. 😉

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