Im letzten Jahr hat sich einiges getan. Abgesehen davon, dass ich überhaupt angefangen habe mir Ziele zu setzen, ist eines davon der Umfeldwechsel. Das klingt für die meisten wahrscheinlich erstmal nicht gerade erstrebenswert. Warum aus dem angenehmen status quo ausbrechen, den man sich mühsam aufgebaut hat und in eine unangenehme neue Situation aufbrechen?

Ich möchte hier einen kleinen Jahresrückblick wagen und zusammenfassen, wie verschiedene Ereignisse und Einsichten mich dazu veranlasst haben ein paar radikale Entscheidungen zu treffen.

Document. Don’t create.

– Gary Vaynerchuk

Achtung: Ich quatsche Dich hier mit einem Teil meiner Lebensgeschichte voll. Obwohl man daraus wahrscheinlich einige interessante Denkanstöße mitnehmen kann, ist es in erster Linie ein persönlicher Blog Artikel und verfolgt nicht wie üblich die Absicht, Dir etwas lehrreiches zu vermitteln. Wenn Du Dich nicht für mein Leben interessierst, sondern für Investment und Mindset des Erfolgs hier bist, such Dir besser einen anderen Artikel aus.

Der Kontrast von Vorher und Nachher

Ende 2017 bestand mein Leben aus folgenden Dingen:

  • Arbeit: 40-50 Stunden die Woche Arbeiten in einem Job, den ich liebe. Es wurden keine Überstunden bezahlt oder aufgeschrieben, sodass man sie abfeiern könnte, doch das war mir egal, weil ich Spaß daran hatte und es freiwillig gemacht habe
  • In der Freizeit habe ich manchmal zu hause weitergearbeitet, um mich weiterzubilden ohne offizielle Arbeitszeit zu verbraten
  • Wenn ich nicht gearbeitet habe, habe ich gezockt oder Filme, Serien und YouTube geguckt.
  • Im Schnitt bin ich ein bis zwei Mal die Woche zum Sport ins Fitnessstudio gegangen, das mir von der Firma bezahlt wurde
  • Ich hatte ein Auto, mit dem ich mit Freunden oft Wochenendtrips unternommen habe oder weiter Fahrten zu meiner Familie machen konnte, welches mir ebenfalls von der Firma komplett bezahlt wurde
  • Ich war Mitglied in einem Clan bei World of Tanks. In dem Spiel habe ich 10-20 Stunden pro Woche verbracht
  • Ich lebte in einer WG in der Aachener Innenstadt mit meiner Freundin und zwei weiteren Studenten, in der man immer Gäste einladen oder an sozialen Aktionen teilnehmen konnte, wenn man wollte
  • Ich lebte im 7ten Jahr in Aachen, wo ich nach dem Abi hingezogen bin, habe dort einen breiten Freundeskreis und kenne die Stadt sehr gut, sodass ich jeden Tag etwas cooles zu unternehmen wusste
  • Ich besaß einen Bausparvertrag aus der Jugend mit circa 2.500€ Guthaben und je ein paar Hundert Euro in Kryptowährungen und auf Auxmoney
  • Ich wusste nicht, was in den nächsten Jahren passieren soll geschweige denn hatte ich konkrete Ziele oder Pläne
  • Ich war zufrieden im Hier und Jetzt

Alles in allem war ich relativ glücklich in meinem Alltag, hatte viel Spaß und wenig Zwänge Dinge zu tun, auf die ich keine Lust hatte außer Wäsche Waschen und hin und wieder mal das Bad putzen.

Dramatische Vorschau auf den Ausgang der Geschichte

Anfang 2019 sieht mein Leben so aus:

  • Ich habe meinen Job gekündigt und in einer komplett anderen Firma neu angefangen
  • Ich habe das Auto, die Mitgliedschaft im Fitnessstudio und den Handyvertrag, das alles meine alter Arbeitgeber bezahlt hat, verloren
  • Ich wohne alleine in einer Einzimmerwohnung
  • Ich wohne 350 km entfernt von meinem engeren Freundeskreis
  • Ich habe hier keine Freunde und keine Ahnung, was man cooles unternehmen kann
  • Ich wohne über 600 km entfernt von meiner Familie
  • Ich führe eine Fernbeziehung
  • Ich besitze ETF-Anteile, verschiedene Aktien, ein breites P2P Kredite Portfolio und konnte mir einen Umzug aus einer WG in eine Einzelwohnung mit allen Anschaffung für mehrere Tausend Euro leisten.
  • Ich habe mir einige Ziele gesetzt, manche auch schon erreicht und große Pläne für die Zukunft
  • Ich bin dankbar für alles, was ich bisher erreicht habe und freue mich sehr auf das, was kommt
  • Ich bin aus dem Clan und allen Positionen zurückgetreten und zocke nur noch selten wenige Stunden

Ich bin also aus einem gemütlichen Leben mit Job, in dem ich schon ein paar Jahre etabliert war, genug Geld, um Spaß im Leben zu haben und einem Umfeld, mit dem nie langweilig wurde raus in die Unsicherheit eines neuen Jobs, einer fremden Stadt ohne Freunde und scheinbar ohne lustige Hobbies gewechselt. Zwischen den Zuständen lag das Jahr 2018.

Januar … und ein bisschen davor

Um Weihnachten 2017 hatte ich gerade ein Buch über das Investieren fertig und ein weiteres ein kurzes Buch über P2P Investment auf der Autofahrt zu meinen Eltern gehört. Dazu hatte ich die Biografie über Warren Buffet von Alice Schroeder angefangen. Entsprechend war der Anfang des Jahres sehr von Finanzen geprägt. Ich habe meine Sparrate erhöht und begonnen sowohl Mintos, als auch Bondora zu füttern.

Ebenfalls kurz vor Weihnachten habe ich das Gespräch mit meinem Chef in der aktuellen Firma gesucht. Ich hatte einige Dinge zu besprechen. Unter anderem ist es üblich einmal im Jahr über die geleistete Arbeit zu reden, Ziele zu setzen und darauf basierend über ein neues Gehalt zu verhandeln.

Es war das erste Mal, dass nicht mein Chef selbst das übliche jährliche Gespräch suchte.

An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass ich bis zu dem Zeitpunkt immer sehr gut darin war die Verantwortung für eine Situation bei anderen zu suchen und Ansprüche zu stellen. Dass ich damals das Gespräch schlussendlich suchte, war mehr dem erhöhten Leidensdruck als der gewachsenen Eigenverantwortung geschuldet. Ich hatte die berühmte Schmerzgrenze überschritten und sah mich im Zugzwang.

Das Ereignis an sich sehe ich heute als den ersten Schritt oder eher Schubser auf den Weg zum eigenverantwortlichen Leben. Es ist der Ausgangspunkt für viele weitere Dinge, die letzten Endes zu dem geführt haben, wo ich jetzt stehe.

Ich werde nicht auf die Details eingehen, doch das Ergebnis ist wichtig für den weiteren Verlauf meiner Karriere.

Es gab nämlich kein Ergebnis.

Das Gespräch wich von den eigentlichen Themen ab und den Rest des Jahres kam es nicht zu einer Wiederholung. Einige Unzufriedenheit war schon zuvor aufgekommen, doch im Leben wird es immer Probleme und Unbequemlichkeiten geben. Das Gespräch war ja dafür gedacht daran zu arbeiten.

Von dort an entwickelten sich allerdings diese vorübergehenden Kiesel im Schuh zu handfesten Dornen im Auge.

Einen Monat später gegen ende Januar habe ich das Gespräch erneut gesucht. Ich habe einige Themen per E-Mail eingeleitet und darum gebeten fortzufahren, da das ganze aus meiner Sicht nicht abgeschlossen war. Damit stieß ich auf Unverständnis.

Am Tag darauf wurde statt eines Dialogs eine Agenda betreffend einiger der Themen im Büro von meinem Team an ein schwarzes Brett gehangen und verkündet, dass sämtliche Verhandlungen auf Eis gelegt sind, bis die Unternehmensführung ein paar Dinge entschieden hat. Damit war der Januar vorbei.

Februar – Mintos Arbitrage

Ich habe ein sehr hohes Grundniveau an Motivation, wenn es um die Arbeit geht. Das war einer der wenigen Zeiten, in denen ich weit unter meinem üblichen Level performt habe. Es gab einige Dinge, die mich an der aktuellen Art und Weise der Diskussionskultur, Arbeitsatmosphäre, Bezahlung und strategischen Ausrichtung nicht gefallen hatten. Alles Dinge, bei denen man ein Einsehen, Kompromiss oder gar Lösungen herbeiführen kann. Sämtliche Gespräche allerdings abzublocken hat bei mir das Fass zum überlaufen gebracht.

Mit der Motivation sank auch die Qualität meiner Arbeit und das tägliche Leistungspensum blabla; Die Leistung war für meine Verhältnisse einfach schlecht. Dadurch wurde ich einen großen Teil des Tages unzufrieden. Mich fuckt es einfach ab, wenn ich kacke bin. Dann kann ich mich selbst nicht ernst nehmen.

Einen Ausgleich habe ich dann in meiner Freizeit gesucht und mich mehr auf mein aufkommendes Interesse an Investments konzentriert. Auf Mintos gab es eine Aktion, bei der man einen Teil seiner Investition nach wenigen Tagen gutgeschrieben bekam. Darin habe ich eine Möglichkeit der Arbitrage entdeckt.

Indem ich Kredite mit 5% Cashback, also Rückzahlung gekauft habe, erhielt ich sie quasi zu nur 95% des Werts. Meine Idee war diese Kredite zu knapp unter 100% des Wertes auf dem Zweitmarkt wieder zu verkaufen und das ganze so oft wie möglich. Meine Gewinnspanne wäre dann die Differenz zwischen 95% und dem Preis, zu dem die Leute es auf dem Wweitmarkt wirklich kaufen. Klingt ein bisschen verwirrend, ist auch nicht so wichtig.

Ich hatte einem Freund das Buch von Tony Robbins über Geld empfohlen. Darin geht es im Prinzip darum, wie jeder Otto Normalverbraucher sich mit egal welchem Einkommen durch Disziplin und Wissen über Geld eine finanzielle Freiheit erarbeiten kann. Damit und mit meinem Wissen über P2P Anlagen hatte ich den Kumpel so angefixt, dass wir uns ab Februar zusammen Konzepte ausdachten, Pläne schmiedeten, und weiterbildeten, Risiken einschätzten und so weiter und so fort. Wir wurden zu Invest-Buddies über den weiteren Verlauf des Jahres.

März – Start der Bildungsoffensive

Im März lief im Job wieder alles normal. Allerdings gab es auch noch keine neuen Informationen zu den ganzen offenen Angelegenheiten, die die Geschäftsleitung zu klären hatte. Entsprechend lagen alle Punkte von Januar weiter auf Eis.

Im Laufe des März habe ich “Life and Work Principles” von Ray Dalio gehört. Daran und mit den Büchern über StartUps und Unternehmertum aus dem vorherigen Jahr im Hinterkopf sind mir noch viel mehr DInge aufgefallen, die mich an der Entwicklung der Firma störten.

Es war ein bisschen wie ein Tiger im Zoo, der in seinem Käfig ganz zufrieden ist, da er nichts anderes kennt. Und dann erzählt ihm jemand von der Welt. Da wollte ich noch, dass es im Käfig genauso wird wie außerhalb. Ich wollte Veränderungen. Doch niemand wollte zuhören.

Auf die Idee trotzdem zu sprechen kam ich nicht. Das hätte ja bedeutet Eigenverantwortung zu übernehmen und nicht anderen die Lösung der Probleme zu überlassen. So weit war ich noch nicht.

Nebenbei war ich fleißig dabei am Rechner Panzer zu fahren und wurde im Clan als Vortanzer etabliert, der bei den zwei-wöchentlichen gemeinsamen Runden die Taktik vorgab. Eigentlich nur ein bisschen Teamleitung in einem unwichtigen Online Spiel. Doch das wurde der Beginn meiner dortigen Hoch-Zeit und ich verbrannte wöchentlich 10-20 Stunden Zeit mit World of Tanks.

Außerdem wurde die Mintos Aktion mit der Arbitrage verlängert und ich handelte weiter bis in den April hinein die günstigen Kredite. Auf die Idee waren auch schon andere gekommen und die Gewinne, die eh schon nur im Centbereich lagen, wurden immer geringer bei steigendem Aufwand schnell genug zu sein.

Ebenfalls im März hatte ich mir das zwei Buch von Robert Kiyosaki besorgt: Der “Cashflow Quadrant”. Ein Klassiker in der Literatur für angehende Investoren und unternehmerisch Denkende. Ich hatte im Jahr zuvor bereits “Rich Dad Poor Dad” gehört und das Buch knüpft daran an. Erweitert und vertieft einige der gelernten Dinge, die ich schon wieder vergessen hatte, nachdem ich mich durch das Buffet Buch gehört habe.

Der März müsste es auch gewesen sein, als ich begann mich vermehrt auf YouTube umzusehen nach Investitionsmöglichkeiten und Bildung zu allen Themen, die damit zusammenhingen.

Ich bin zwischenzeitlich in einem Anflug an Aktionismus dazu gekommen meine erste Steuererklärung zu machen. Ich habe also meine Steuer für 2015 ans Finanzamt geschickt. Es sollte knapp 400 Euro zurückgeben!

April

Mit dem April geht es im nächsten Artikel weiter. Das wird Teil II von ich schätze III insgesamt. Schau wieder rein!

Dieser Artikel hat jetzt schon das Ausmaß eines ganzen normalen Artikels. Ich könnte natürlich auch etwas überziehen, aber einerseits bin ich mit dem Release spät dran und andererseits kommt noch mehr als die Hälfte an Monaten in denen gefühlt mehr als 90% der Geschichte stecken. Das gibt’s dann hier. Lasst mir Feedback da, ob Dir dieses Format gefällt oder Du lieber trockenes Infomaterial hast!

Kategorien: Aus dem Leben

2 Kommentare

Andreas Köchig · 15. Januar 2019 um 8:08

Hier hab ich wohl mehr über dich gelesen als jemals persönlich gehört…….

Projekt Umfeldwechsel – Teil 2 – Investforke · 6. Februar 2019 um 22:01

[…] Das hier ist Teil 2 der Geschichte, wie ich dazu kam diesen Blog zu starten und was mich veranlasst hatte meine komfortable Lebenssituation radikal zu ändern. Zugleich ist es auch eine Art Jahresrückblick. Den ersten Teil gibt’s hier. […]

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