Man muss den ganzen Tag Kurse beobachten und sich mit den ganzen Geschäftsberichten der Unternehmen herumschlagen, um in Aktien zu investieren. Das dachte ich auch.

DoCH WaS DaNN GeSCHaH WaR uNGLauBLiCH!?

Ich habe mich ein wenig mit der Materie beschäftigt und – wer hätte es gedacht – festgestellt, dass dem nicht so ist. Ein Problem besteht am anfang – wie so oft – darin die richtigen Informationsquellen zu finden. Die erste Börse hat 1612 in Amsterdam eröffnet. Das sind über 400 Jahre Senf, den alle möglichen Leute zu dem Brei an vermeintlichem Fachwissen beigetragen haben.

Dabei ist sehr viel Marktschreier-Gebrüll in den Massenmedien. Immer mehr Gewürz an derselben Substanz bringt auch nichts. Es heißt nicht umsonst: Viele Köche verderben den Brei. Deswegen gibt’s meinen Senf jetzt auch direkt nochmal dazu, weil Baum.

Es gibt wenig Leute im Bekanntenkreis, die einem wirklich sagen können, wer jetzt Recht hat und wer nur Bullshit erzählt. Oft erzählen sie selbst wiederum nur von Hörensagen, glauben aber ihr Wissen von Profis gehört zu haben. Sich mit dem Thema zu beschäftigen erscheint im ersten Anlauf scheinbar zu recht mühselig und wenig zielführend. Was es auch ist, wenn man das ganz hauptberuflich machen will.

Die Gespräche mit Freunden führten oft dazu, dass das Thema defensiv abgebrochen wurde mit Phrasen wie:

  • “Die Börse ist nur was für Profis.”
  • “Dafür habe ich keine Zeit.”
  • “Ich habe doch gar nicht genug Geld, um Aktien zu kaufen!”
  • “Aktien sind auch nur Glücksspiel.”
  • “Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der schonmal mitbekommen hat, wie einer sein ganzes Geld an der Börse verloren hat.”
  • “Lebensmittel Spekulanten machen an den Börsen den Produzenten in aller Welt das Leben schwer!”
  • “Die Gier der Börsianer ist für die Wirtschaftskrisen verantwortlich. Da mache ich nicht mit.”

Ich könnte noch weitere Aussagen anführen. Doch das ganze zeigt denke ich schon, wie viele Bedenken und Ängste sich in den Köpfen der Leute dagegen stellen, überhaupt über die Anlageklassen nachzudenken, die sich an der Börse tummeln.

Mit Klischees, Vorurteilen und limitierenden Glaubenssätzen in Bezug auf Investments möchte ich hier auf Investforke aufräumen. Wenn Du Dich damit identifizieren kannst, lohnt es sich, weiterzulesen.

Was sind also diese Börsendinger?

Vorurteile bei Seite. Fangen wir von vorn an. Neben Immobilien sind Aktien und Co. die weithin bekannten Klassiker unter den Anlageklassen. Jeder hat schonmal davon gehört, aber so richtig bescheid wissen tut auch irgendwie keiner.

Hier geht es um:

  1. Unternehmensanteile
  2. Anleihen (oder Renten)
  3. Rohstoffe

Es gibt noch viel mehr Dinge, die man an den Börsen handeln kann, aber am Ende geht es immer um Anteile, Schulden und Güter. Nur das WIE und die Rechtsgrundlagen ändern sich. Um Futures, CFDs, Zertifikate und *hier beliebiges kompetent anmutendes Fachwort einsetzen* soll es hier nicht gehen.

Als ein veranschaulichendes Beispiel für den Rest vom Artikel denken wir uns jetzt mal die Haus und Hof AG aus. Die Haus und Hof ist eine Firma, die ein Mehrfamilienhaus mitsamt Hof darum herum betreibt. Der Unternehmenszweck ist den Bewohnern ein möglichst gutes Leben zu ermöglichen. Geld einnehmen tut das Unternehmen durch Vermietung der Wohnflächen.

Im Folgenden gehe ich mit der Haus und Hof Aktiengesellschaft durch dem Kram, den man als Profi das Thema Aktien angehen würde, wenn man sich denn die ganze Mühe macht, auf die man als Privatanleger, der man ja weder Geld noch Zeit dazu hat, keinen Bock hat.

Danach komme ich dann irgendwann dazu, wie man das umgehen kann. Man muss sein Publikum ja auch irgendwie hinhalten und durch den spannenden und unterhaltsamen Content führen, damit man hinterher in Erinnerung bleibt 🙂

Einfach die Lösung sagen ohne Geschichte kann jeder. Das ist langweilig.

#1 Aktien

Was sind Aktien?

Aktien sind im wesentlichen nichts anderes als ein Anteil an einem Unternehmen. Unternehmensanteile. An einer Aktiengesellschaft oder kurz AG. Wenn die Firma “Haus und Hof AG” 10.000 Aktien ausgibt und Du 100 davon besitzt, besitzt du 1% der Firma. Auf einer Aktionärsversammlung hast du dann 1% der Stimmen. Wenn das Unternehmen eine Dividende zahlt, also Gewinne ausschüttet, erhälst du 1% davon. Deine 100 Aktien haben den Wert von 1% der Unternehmensbewertung. Den Wert. Theoretisch. Praktisch sagt die Börse über den Kurs etwas anderes. Dazu weiter unten mehr. Das ist, was eine Aktie ausmacht. Es ist ein Anteilsschein.

Was ist eine Firma wert?

Ein Unternehmen hat einen sogenannten Buchwert. Das ist kein willkürlicher Wert, den die Börse bestimmt, sondern setzt sich grob gesagt aus seinem Besitz minus der Schulden zusammen. Denn die Firma besitzt für gewöhnlich ein paar Vermögenswerte und hat oft auch Kredite aufgenommen.

Unsere “Haus und Hof AG” zum Beispiel besitzt ein Haus, also eine Immobilie und ein Grundstück, auf dem es steht. Dazu kommen noch Kleinigkeiten wie der Rasenmäher, ein paar Geräte auf einem Spielplatz im Garten, ein paar Kubikmeter Feuerholz für gemütliche Holzöfen, Möbel in den Wohnungen und so weiter. Als letztes noch, was das Unternehmen an Geld auf seinen Konten hat.

Sagen wir das alles hat zusammen einen Wert von 1.000.000€. Dazu kommt ein Kredit von 600.000€, den die Firma noch bei der Bank hat. Das ist der Rest von dem Baudarlehen, mit dem wir das Haus gebaut und den Garten angelegt haben.

Auf dem Papier hat die Haus und Hof also einen Wert von 400.000€. Deine Aktien bilden 1% davon ab. Also sind sie 4.000€ Wert. Beziehungsweise jede einzelne Aktie ist 40€ wert, da es 10.000 Stück gibt und man einfach den Buchwert durch die Anzahl der Aktien teilt. Theoretisch. Denn jetzt kommt das große Aber.

Aktienkurs ist nicht gleich Unternehmenswert

Der Kurs der Aktie an der Börse ist nicht an den Buchwert der zugehörigen Firma gebunden. Die Firma muss ihre Bilanzen und Buchführung hin und wieder offen legen. Dadurch können sowohl die Aktionäre, als auch alle anderen, erkennen was der Wert oder das Eigenkapital der Firma ist. Die 400.000€. Was die Leute an der Börse allerdings auch sehen, ist nicht nur der Status quo, der aktuelle Stand von Vermögenswerten und Schulden.

Sie sehen auch die monatlichen Mieteinnahmen, welche Tilgungen und Zinsen für den Kredit gezahlt werden, in welcher Region die Firma und die Immobilie liegen und wie sich Politik und Wirtschaft dort entwickeln. Unterm Strich sehen alle, ob die Firma gut oder schlecht wirtschaftet, ihren inneren Wert also auf Dauer steigert oder verringert. Dadurch können die Analysten auch abschätzen, wie sich der Wert der Firma in der Zukunft zusammensetzen wird.

Entsprechend sind sie bereit heute mehr oder weniger für einen Anteil an dieser Firma zu bezahlen. Dieser Wert multipliziert mit der Anzahl der Aktien im Umlauf ist entsprechend nicht der tatsächliche inhärente Wert eines Unternehmens, sondern die sogenannte Marktkapitalisierung. Die Unternehmensbewertung. Es gibt oft eine nicht allzu geringe Differenz zwischen Buchwert und Bewertung eines Unternehmens

Du kaufst Aktien in der Hoffnung, dass der Kurs steigt und du sie später zu einem höheren Kurs verkaufen kannst. Verkaufen an jemanden, der wiederum denkt, dass er sie in noch späteren Zeitpunkt zu einem noch höheren Kurs verkaufen kann.

Streng genommen ein Schneeballsystem.

Aktienbewertung

Wenn jemand denkt, dass die Haus und Hof in in 10 Jahren den Kredit zurück bezahlt und dazu noch 50.000€ Gewinn erwirtschaften konnte, ist für ihn der Wert der Firma 1.050.000€ in 10 Jahren.

Dabei möchte ich kurz anmerken, dass der Rasenmäher natürlich einen Wertverlust hat und das Brennholz verbraucht wird. All diese Wertminderungen sind jedoch durch neue Investitionen ausgeglichen. der Gewinn von 50.000€ gilt nach ersetzen der verbrauchten Güter, zahlen Instandhaltungskosten und Anschaffung von neuen Geräten. Es gleicht den Substanzverlust aus.

Entsprechend wäre der potenzielle Aktionär heute schon bereit etwas mehr als die 40 Euro pro Aktie auszugeben, allerdings weniger als 105 Euro. Die Differenz zwischen Kaufpreis und erwartetem Wert in der Zukunft ist dann der potenzielle Gewinn.

So funktioniert sehr vereinfacht eine Aktienbewertung. Am Ende kommt es auf die Annahmen an, die man zu einem Unternehmen und seiner Zukunft aufstellt. Man kann genauso von einer pessimistischen Entwicklung ausgehen.

Es könnte bald eine größere Reparatur am Haus nötig werden oder die Verwaltung könnte mit Leerstand zu kämpfen haben, wenn sich das wirtschaftliche Umfeld ändert oder eine Autobahn durch den Garten geplant wird. Das Management könnte schlecht wirtschaften und am Ende ist die Firma nach 10 Jahren nur noch 350.000 Wert.

Dadurch wären die Börsianer rational gesehen nicht bereit mehr als 35 Euro pro Aktie auf den Tisch zu legen. Weniger als der aktuelle Buchwert vermuten ließe.

Wie Du siehst, kommt es bei der Bewertung viel darauf an die richtigen Informationen zu haben. Die Informationen an die Du kommst, sind meistens auch allen anderen zugänglich. Zumindest ist das vom Gesetzgeber so angestrebt.

Wenn Du aufgrund von Informationen handelst, die Dir jemand aus der Firma geflüstert hat, bevor sie veröffentlicht wurden, dann ist das Insiderhandel und – man glaubt es kaum – verboten. Also muss man seinen Informationsvorsprung dadurch erlangen, dass man die richtigen Annahmen über die Zukunft trifft. Und hier liegt der Hund begraben.

Die meisten Privatanleger scheitern an der Börse. Da sie den falschen Zukunftsprognosen vertrauen, mit mangelnden Informationen selbst welche aufstellen oder bei kleinen Ereignissen, die die Kurse in die falsche Richtung beeinflussen panisch reagieren.

Das sind Überlegungen, mit denen sich Analysten an der Börse herumschlagen, doch wir wollen genau das ja gar nicht tun. Ich denke das reicht, um einen kleinen Einblick zu verschaffen und jetzt können wir zurückkommen auf den alltagstauglichen Kram.

Wo kommen die Aktien her?

Das ist alles schön und gut, aber wo kommen die 10.000 Aktien der Haus und Hof überhaupt her? Die hat ja keiner einfach erfunden… oder doch?

Man könnte es schon so sagen. Denn bei einem Börsengang werden das erste Mal Aktien der Öffentlichkeit verkauft und zum Handeln freigegeben. Wenn die Haus und Hof AG also entschließt an die Börse zu gehen und die Beteiligung auf 10.000 Aktien aufzuteilen, so entstehen genau dann diese Aktien.

Eine öffentlich gehandelte AG zu sein bringt auch Nachteile, Aufsichten und vor allem neue Stimmen auf der Aktionärsversammlung mit sich. Warum sollte ein Unternehmen diesen Schritt gehen und die souveräne Entscheidungsgewalt teilweise oder vollkommen an Investoren abgeben?

Warum überhaupt ein Börsengang?

Nehmen wir an die Haus und Hof hat ein paar Jahre gut gewirtschaftet und ein paar Bruchbuden gekauft, saniert und gewinnbringend veräußert oder profitabel vermietet. Der Buchwert ist jetzt auf 3.000.000€ gestiegen. Neben dem Grundstück mit dem ersten Mehrfamilienhaus wird ein altes Gewerbegelände aufgelöst. Das gesamte alte Gelände samt baufälliger Gebäude steht zum Verkauf.

Die Unternehmensführung wittert eine Chance ein gutes Geschäft zu machen und kommt durch gute Beziehungen zu sehr guten Konditionen an das Grundstück. Man erwirbt also das Land samt Bauten nebenan. Nun will man alles darauf dem Boden gleich machen und einen Bürokomplex für die steigende Anzahl neuer IT-Firmen und StartUps aus der Region bauen und betreiben.

Dazu benötigt die Firma mehrere Millionen Euro Kapital. Die Kassen sind durch den Kauf des Grundstücks aber schon ziemlich geleert und das Kapital durch die Einnahmen aufzubauen würde länger dauern als das Bauprojekt.

Eine Möglichkeit wäre jetzt zu einer Bank zu gehen und zu einem gewissen Zinssatz einen Kredit aufzunehmen, zunächst monatlich Verluste zu schreiben und nach Abschluss der Baumaßnahmen mit den neuen Mehreinnahmen wieder in die Gewinnzone zu kommen. Die Geschäftsführung möchte allerdings kein Darlehen mit einer Summe aufnehmen, welche das vielfache des Unternehmenswertes darstellt.

Auf die Möglichkeiten der Risikokapitalgeber und Angel Investoren möchte ich hier jetzt nicht eingehen, um beim Thema zu bleiben.

Eine andere Möglichkeit ist ein Börsengang. Bei diesem verkauft die Firma Unternehmensanteile an die Öffentlichkeit. Vorher wird von Profis eine gründliche Bewertung durchgeführt unter Berücksichtigung der neuen Chancen und bisherigen Managementqualitäten und so weiter und so fort. Alles in allem wird Haus und Hof mit 8 Millionen Euro bewertet. Um wieder auf einen Aktienpreis von 40€ zu kommen, ergeben sich 200.000 Aktien.

Diese 200.000 Anteile werden in einem hier gerade einmal uninteressanten Verfahren unter die Leute gebracht. Haus und Hof wedelt mit Aktien und ein paar Investoren wedeln mit Geldscheinen.

Wenn alle Aktien nun an die Öffentlichkeit verkauft wurden, ist der Börsengang abgeschlossen und unsere Firma hat 8.000.000€ Kapital aufgenommen, mit dem es den Bau beginnen und weitere Darlehen von Banken erlangen kann.

Ein Börsengang ist am Ende also eine Möglichkeit für große Firmen an Geld zu kommen. Es sei aber gesagt, dass das nur einmal geht, solltest du zufällig gerade mit dem Gedanken spielen mal eben an die Börse zu gehen…

Anleihen und Rohstoffe

Anleihen und Rohstoffe erkläre ich ebenso am Beispiel der Haus und Hof AG in Teil 2 zu diesem Artikel. Hier findest Du den Artikel. Darin gehe ich auch endlich darauf ein, wie Du dir sparen kannst die Unternehmen hinter den Aktien genau zu durchleuchten, bevor du investierst.

Um in Zukunft keine Artikel zu verpassen, kannst Du dich in die Community Liste eintragen, dann kann ich Dir mit einer E-Mail Bescheid geben, wenn etwas neues raus kommt.

Falls Du Fragen zum Thema Aktien hast oder findest, dass noch etwas fehlt, kannst Du mir gerne einen Kommentar hinterlassen und ich antworte gerne dir und allen anderen, die später auf diesen Artikel stoßen oder keinen Kommentar schreiben wollen, aber die gleiche Frage haben.


3 Kommentare

Andreas Köchig · 13. Dezember 2018 um 22:08

Mir fehlt die Erklärung, was denn an die Stelle der eigenen Beobachtung, bzw. das Studium der Geschäftsberichte treten soll. Ansonsten ein durchaus erklärend zusammenfassender Beitrag 👍

    forke · 14. Dezember 2018 um 10:06

    Das ist ein guter Kritikpunkt! Ich habe es im ersten Teil gar nicht erwähnt… Das werde ich nachholen, Danke 🙂

Die Börse – Aktien, Anleihen und Rohstoffe erklärt am fiktiven Beispiel der Haus und Hof AG – Teil 2 – Investforke · 6. Januar 2019 um 20:22

[…] Dies ist der zweite Teil der Artikelreihe über Anlageklassen an der Börse. Falls Du den ersten Teil, in dem es um Aktien geht, verpasst hast, findest Du ihn hier. […]

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