Dies ist der zweite Teil der Artikelreihe über Anlageklassen an der Börse. Falls Du den ersten Teil, in dem es um Aktien geht, verpasst hast, findest Du ihn hier.

In diesem Teil geht es um Anleihen und Rohstoffe. An der Börse. Am Ende erzähle ich, wie Du als Privatanleger auch dann in die Börse investieren kannst, wenn du keine Zeit in ausführliche Recherche stecken kannst oder willst. Und nicht einfach blind irgendein Unternehmen kaufen willst. Du willst ja trotzdem irgendwie investieren.

Nach dem Börsengang

Die Haus und Hof ist jetzt also eine öffentlich gehandelte Aktiengesellschaft. Das Projekt auf dem Gewerbegelände läuft gut. Es ist einiges an Wasser den Rhein hinunter geflossen. Der Bau ist abgeschlossen, ein paar StartUps, Agenturen und Ingenieurbüros haben sich eingemietet und erste Einnahmen kommen rein.

Die Nachfrage ist so hoch, dass die Geschäftsleitung beschließt, einen weiteren Bürokomplex zu bauen, in den es zum einen den eigenen Firmensitz verlegen, als auch weiteren Firmen Fläche vermieten will.

Hierfür wird mal wieder Kapital benötigt, für das einige Jahre ins Land ziehen müssten, um es durch Einnahmen aufzubringen. Wieder entscheidet sich Haus und Hof gegen einen großen Bankkredit. Einen Börsengang kann man allerdings auch nicht wiederholen. Mit der folgenden Anlageklasse kommen wir zu einer anderen Möglichkeit der Kapitalbeschaffung.

#2 Anleihen

Was sind Anleihen?

Das Wort Anleihe leitet sich aus dem althochdeutschen von Darlehen ab. Im Prinzip ist es ein Dokument, das besagt, dass Unternehmen A der Person B den Betrag C schuldet mit einer Laufzeit von X Jahren zu einem Zinssatz von Y Prozent.

Die Haus und Hof AG kann Anleihen wie Aktien ‘emittieren’, also verkaufen. Eine Anleihe stellt aber keinen Anteil am Unternehmen dar und somit auch kein Stimmrecht, sondern eine sogenannte Schuldverschreibung. Einen Darlehensanteil.

Im Unterschied zu einem normalen Kredit geht also der Kreditnehmer – die Haus und Hof – nicht zu einer einzelnen Bank und nimmt ein Darlehen auf. Stattdessen sagt die Haus und Hof: Wir emittieren Anleihen!

Damit wird der Kredit über die Börse crowdsourced. Ja genau. Über die Börse. Das ist die weitere Besonderheit. Die Anleihen, also einzelnen Stückelungen werden an der Börse gehandelt.

Ein Beispiel

Haus und Hof hat Anleihen im Wert von 10.000.000€ auf den Markt geworfen. Bei einem Stückpreis von 100€ sind das 100.000 Stück. Der Zins, den ich mir ausgedacht habe, liegt bei 5%. Eine Sache fehlt noch: Die Laufzeit. Hier nehmen wir 5 Jahre.

Wenn Du jetzt 10 Anleihen kaufst, bekommst du am Ende der 5 Jahre 1.000€ von der Haus und Hof. In der Zwischenzeit erhältst Du jedes Jahr 50€ Zinsen. Am Ende hast du 1250€ raus. Wenn Du die Anleihen zum Originalpreis von 100€ gekauft hast, ergibt sich ein Gewinn von 250€.

Originalpreis? Die Anleihen werden ja an der Börse gehandelt, also gibt es wieder den Mechanismus von Angebot und Nachfrage, der den Preis bestimmt. Analysten können ankommen und zu dem Schluss kommen, dass eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, Haus und Hof die Anleihen nicht zurückkaufen kann in 5 Jahren. Das drückt den Preis auf vielleicht 90€.

Wenn die Firma, die die Anleihen ausgegeben hat, pleite geht, ist auch dein Geld weg. Falls du das befürchtest, kannst Du sie über die Börse vorher noch loswerden mit einem gewissen Rabatt, um zumindest einen Teil deiner Investition zurückzuerhalten.

Das ganze geht auch in die andere Richtung. Wenn an der Börse vergleichbare Unternehmen ebenfalls Anleihen herausgeben, dabei aber niedrigere Zinsen zahlen, steigt der Kurs der 5% Anleihen. Wenn als das Zinsniveau sinkt, werden die von Haus und Hof begehrter. Auch, wenn die Bonität der Firma sich verbessert und die Rückzahlung wahrscheinlicher wird, hat das Einfluss auf den Kurs.

Aktueller Markt

Anleihen gelten als eine der sicheren Anlagen. Es gibt Gegenbeispiele. Wer Griechische Staatsanleihen besessen hat, hat bei dem Schuldenschnitt einen Teil seiner Investition als Verlust abschreiben müssen. Aktuell ist das Zinsniveau allgemein sehr niedrig und man kann mit sehr sicheren Anleihen, wie denen den deutschen Bundesanleihen nicht mehr Rendite erwirtschaften als auf einem Festgeldkonto.

Andererseits können Anleihen stetig an der Börse gehandelt werden und somit kommst Du jederzeit an dein Geld heran im Gegensatz zu einem Festgeldkonto, das eine feste Laufzeit hat und bei dem du bei verfrühter Kündigung oft deine Zinsen als Strafe verlierst.

Was hat die Haus und Hof AG davon?

Wenn alle Anleihen unter die Leute gebracht wurden, hat die Haus und Hof zehn Millionen Euro Kapital aufgenommen, womit sie neue Projekte angehen kann. Dazu muss sie jedes Jahr eine halbe Million an Zinsen und nach fünf Jahren die gesamten zehn Millionen auf einen Schlag zurückzahlen.

Das kreiert für das Management einerseits die Freiheit der neuen Projekte und andererseits den Leistungsdruck die zusammen 12,5 Millionen Euro aufzutreiben. Warum ich ein Fan von Druck und großen Zielen bin, weißt Du, wenn Du meinen Blog aufmerksam verfolgst.

Indem die Haus und Hof jedes Jahr neue Anleihen herausbringt, lässt sich die Liquidität sicherstellen.

Staatsanleihen

Neben den Unternehmensanleihen gibt es noch die Staatsanleihen. Eigentlich gibt es da keinen großen Unterschied, außer, dass sie von Ländern und nicht von Firmen ausgegeben werden. Als Beispiel nehmen wir die deutsche Bundesanleihe.

Im Grundgesetz ist verankert, dass der deutsche Staatshaushalt ausgeglichen sein muss. Es soll aber vorkommen, dass die Regierung mehr Geld ausgibt als sie durch Steuergelder einnimmt. Habe ich gehört. Das Defizit muss dann entweder über Neuverschuldung oder eben über Staatsanleihen ausgeglichen werden.

#3 Rohstoffe

Gold, Orangensaftkonzentrat, Öl, Rinderhälften. Rohstoffe werden weltweit ebenso an Börsen gehandelt wie Unternehmensanteile und Anleihen.

Warum an der Börse und nicht im Supermarkt?

Du kannst deine Äpfel auf dem Wochenmarkt kaufen. Benzin gibt’s an der Tankstelle. Stahl und Holz gibt’s im Baumarkt. Wenn es um grobe Mengen geht, gibt’s den Großhandel. Warum an der Börse?

Das sind alles verarbeitete Rohstoffe. Die Industrie arbeitet mit Mengen, die nicht einmal ein Großhandel umsetzt. Die Waren sind über die Börse standardisiert und jedem Marktteilnehmer zugänglich.

Das wichtigste ist, dass es möglich ist Waren zu handeln, ohne sie physisch in die Hand zu nehmen und von A nach B zu tragen. Bei Aktien ist es genauso, doch bei einem Barren Gold oder ein paar Rinderhälften wird der Vorteil etwas deutlicher.

Was hat die Haus und Hof AG davon?

Nichts. Ich wollte eine Artikelreihe über die Anlageklassen Rohstoffe, Rentenpapiere und Unternehmensanteile schreiben, habe mir ein Konzept für Anleihen und Aktien ausgedacht und ging davon aus, dass mir schon noch etwas zu Rohstoffen einfällt.

Eine Szenario, in der Haus und Hof ein Zwischenhändler für Kupfer und andere Metalle wird, um neuen produzierenden Hardware Unternehmen in den Gewerbegebäuden alles bieten zu können, was sie brauchen.

Vorteile: Standardisierung, Regulierung, Transparenz und niedrige Transaktionskosten. Ich werde nochmal auf das Thema hier zurückkommen, wenn mir etwas besseres für den Bereich Rohstoffe einfällt und es überarbeiten. Doch jetzt muss ich es leider erstmal so stehen lassen und will den Rest des Artikels nicht länger zurückhalten, nur, weil ich nicht ganz zufrieden damit bin.

Es ist besser unvollkommen anzupacken als perfekt zu zögern.

– Thomas Edison

Was Dir das als Privatanleger bringt

Du hast im letzten Artikel ein paar Dinge zu Aktien gelernt und manches davon hoffentlich noch nicht wieder vergessen. Bisher sieht es aber weiterhin nur so aus, dass man privat lieber die Finger davon lassen sollte. Und so ist es auch. Wenn Du nicht die Lust und Zeit hast dich mit einzelnen Unternehmen ausführlich zu beschäftigen, dann rede Dir auch nicht ein schon irgendwie eine sinnvolle Entscheidung fällen zu können bei der Auswahl.

Aber Du willst dennoch Geld anlegen. Wenn die Einzelaktien Auswahl zu kompliziert ist, wie sollst Du dann entscheiden, worin Du anlegst? Sollst Du nun Google Aktien kaufen oder doch lieber VW? Nestlé oder Ryanair? Die Antwort ist:

Ja. Alle.

Anstatt sich die Mühe zu machen und aktiv selber dutzende Unternehmen zu analysieren, kann man auch den passiven Ansatz wählen. Passives Investieren bedeutet sich nicht um die Zukunftsaussichten der einzelnen Firmen zu scheren. Man investiert in die Gesamtwirtschaft. Und diese kennt langfristig gesehen nur das Wachstum.

Es gibt Fonds, sogenannte ETFs, die Anteile an allen großen Unternehmen der Welt haben. Du kannst wiederum Anteile an diesen Fonds kaufen und einfach liegen lassen. Ihr Kurs steigt langfristig mit den Kursen der Unternehmen, die darin gebündelt sind. Du investierst damit in die gesamte Wirtschaft der Welt.

Das ist die Autopilot Methode und gut geeignet für Dich, wenn Du einfach mal anfangen willst an der Börse zu investieren, ohne erst sieben Bücher lesen zu müssen, um zu wissen, wie du danach 50 Geschäftsberichte lesen und interpretieren kannst.


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