Und warum ich investiere, wie ich investiere.

Mittlerweile ist es kein Clickbait mehr, denn jeder hat einen Artikel dazu, oder siebzehn. Außerdem ist es kein CLickbait, sondern das Ergebnis dessen, dass ich mich tatsächlich mit der Thematik beschäftigt hatte und hinterher beschloss es zu dokumentieren. Oh, oh, jetzt halte ich mich tatsächlich an das Motto meine Blogs. Wo soll das hinführen?

“Wie ich investiere” lautet der Titel, wenn man die Klammern weg lässt. Lässt man die aktuellen Umstände weg, ist das nämlich, was der folgende Artikel beinhaltet. Nur ohne Aufhänger. Ohne Story. Stories ohne Story sind langweilig! 

Ich kann jetzt mit dem moralischen Zeigefinger herumfuchteln und sagen, dass man eh immer seine Strategie verfolgen sollte, egal, ob gerade Krise oder Goldgräberstimmung herrscht, aber… who cares? Dafür sind andere da.

Ich bin überzeugt, dass sich bei Dir und jedem anderen eine persönliche Investmentphilosophie mit der Zeit von ganz allein festigt und Du dann in außergewöhnlichen Zeiten wie den aktuellen krassen Aufs und Abs an der Börse danach handeln wirst. Unterbewusst aus reiner Gewohnheit. Zumindest ist das bei mir so. Und man soll ja immer von sich auf andere schließen, nicht wahr?

Diese unterbewusste Philosophie hat sich bei mir in den letzten Jahren gebildet. Als Summe der Dinge, die ich gelesen, gesehen und gehört habe. Außerdem habe ich selbst schon ein paar Investment Entscheidungen getroffen. Manche gut, manche schlecht.

Dadurch, dass ich meine Entscheidungen so getroffen habe, wie ich hier berichte, dass ich sie getroffen habe, bin ich immerhin davon überzeugt, dass sie richtig sind. Der Erfolg oder Misserfolg wird Dir mit der Zeit zeigen, ob es sich lohnt dem ganzen hier zu folgen.

Ausgangslage

Ich beginne diesen Beitrag am 13ten April 2020 zu schreiben. Seit einigen Monaten weiß die Welt mehr oder weniger über den Corona Virus Ausbruch in China Bescheid. Es hat etwas gedauert, bis die Tragweite bei den Investoren an der Börse angekommen ist. Ende Februar setzte dann die Steile Talfahrt ein.

Der Vorzeige-Kapitalismus “USA” hat im repräsentativen Standard and Poors Index – S&P 500 – einen Verlust von knapp 34% in circa einem Monat zwischen dem 19. Februar und 23ten März hingelegt. Das ist ein absichtlich gewähltes Zeitfenster, da es den dramatischsten Rücksetzer hat. So, wie es sich für reißerischen Journalismus im Sensationszeitalter (also seit Anbeginn der menschlichen Zivilisation) gehört:D

Ich beziehe mich auf den amerikanischen S&P 500 anstatt des deutschen DAX, weil wegen… internationale Relevanz. Denn ich investiere ja auch nicht in den DAX, sondern da, wo es sich lohnt. Kleines Seitenhieb am Ran- der Seite? 🙂

In case you wonder: “Der S&P 500 (Standard & Poor’s 500) ist ein Aktienindex, der die Aktien von 500 der größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen umfasst. Der S&P 500 ist nach der Marktkapitalisierung gewichtet und gehört zu den meistbeachteten Aktienindizes der Welt.” – Wikipedia

Ich bezeichne den Crash als im gange ab Montag, dem 24ten Februar, da ab da die erste signifikante Abwärtsbewegung gegenüber dem börslichen Vortag (Freitag, der 21te) zu erkennen ist.

Am 22ten saß ich noch auf einer Party und habe damit geprahlt, wie toll meine Aktienportfolio Performance ist. Plot Twist: ich würde es auch heute noch tun. Denn ich habe (wahrscheinlich aus Versehen) richtig gehandelt! Sprichwörtlich.

Meine Strategie

Deswegen bist Du hier. Hoffe ich zumindest. Wie also habe ich gehandelt? Ich muss Dich enttäuschen. Denn genau genommen… aus dem Bauch heraus. Ich kann keine allgemeingültigen konkreten Regeln aus meinen Handlungen formulieren. Denn alles, was ich bisher über Börsenhandel gelesen/gesehen/gehört habe, sagt mir, dass meine Strategie nicht nachhaltig ist.

Trotzdem möchte ich meine Gedanken und Handlungen hier im Detail darlegen. Die Interpretation dieser Dokumentation werde ich zwar vorwegnehmen, doch es bleibet Dir und jedem anderen die Möglichkeit offen meine färbenden Kommentare auszublenden und die Daten für die eigene Analyse heranzuziehen.

BLA BLA BLA! Los geht’s! Here comes the strategy! Ab hier lohnt es sich zu lesen 😀

Ich verfolge im groben zwei Strategien gleichzeitig. Zum einen “Buy and hold” und zum anderen “antizyklisch”. Zwei Strategien, die ich ohne Einfluss von außen komplett selbst erfunden habe. Niemand ist jemals zuvor auf die Idee gekommen Dinge zu kaufen und Jahrzehnte zu behalten oder Dinge gerade dann zu kaufen, wenn alle anderen plötzlich verkaufen wollen. Wer das Gegenteil behauptet ist ein doof und stinkt.

Buy and hold – Investitionen

Buy and hold ist an sich ziemlich langweilig. Ich habe ein Rudel Sparpläne, die jeden Monat ausgeführt werden. Die Aktien und ETFs, die ich über diese Sparpläne kaufe, werden nicht verkauft, sondern bleiben auf unbestimmte, aber vor allem lange Zeit in meinem Portfolio.

Aktuell bespare ich folgende Gedönses:

Tesla, Apple, Microsoft, Amazon, Google, Disney, Netflix, Wirecard, SAP, Facebook, LTC Properties, Realty Income, Berkshire Hathaway, Danaher, Boeing.

Manch einer könnte jetzt sagen: Böööh, voll viele Einzelaktien und keine ETFs! Und dann auch noch das meiste aus dem Technologie Sektor und kaum andere Branchen!

Ja, stimmt. 

Um die Auswahl geht es diesmal nicht. Sondern um die Sache an sich. Für die Aktien, die ich per Sparplan bespare, habe ich kein geplantes Verkaufs Szenario. Die halte ich. Bis ich feststelle, dass das Unternehmen keine guten Zukunftsaussichten mehr hat oder, dass meine Grundüberlegungen, wegen derer ich sie in den Sparplan gepackt habe, falsch waren.

Tolle konkrete und greifbare Aussage, nicht wahr?

Beispiel: Apple. Apple ist eine der wertvollsten Marken und Firmen nach Marktkapitalisierung der Welt und das Unternehmen wächst trotzdem weiter. Sowohl in der Bewertung als auch physisch. Wenn der Markt für Luxusgüter dieser Art nicht komplett wegbricht oder die Firma sich denkt wir bauen keine Konsumentenelektronik mehr, sondern UBoote, sehe ich mein Investment intakt.

Bei der Auswahl der Unternehmen für Sparpläne achte ich darauf, dass das Geschäftsmodell grob profitabel ist und stetig gute Gewinne/Dividenden abwirft oder ein starkes Wachstumspotenzial hat. Beides sollte sich langfristig positiv auf den Aktienkurs auswirken.

Wie schon gesagt: was per Sparplan gekauft wird, bleibt im Depot liegen. Hier fahre ich ganz stumpf und langweilig den Ansatz alles an Krisen auszusitzen und stur weiter reinzubuttern. Vorerst. Irgendwann werde ich mein Portfolio auf Cashflow optimieren und dann werden die Unternehmen, die bis dahin keine oder nur geringe Dividenden zahlen ersetzt werden. Aber das steht noch lange nicht an.

In Zeiten wie der Coronakrise, in denen die Kurse stark gesunken sind, passe ich innerhalb der Sparpläne den Betrag je Aktie an. Kurse die stärker eingebrochen sind, erhalten eine größere Spritze für zwei, drei Monate oder so lange ich es mir leisten kann, bevor die Kurse sich wieder normalisiert haben. Eine Boeing bekam von mir eine Zeit lang zum Beispiel doppelt so viel Kapital, wie in sonstigen Monaten.

Ich versuche im Gegenzug aber die Sparraten von Aktien, die stark gestiegen sind, wie Tesla und Amazon zuletzt, nicht zu verringern, sondern beizubehalten. Manchmal schwierig, denn ich habe auch nicht unbegrenzte Geldmittel. Es ist Balancieren der Budgets. Wenn irgendwo etwas mehr reinfließt, kann woanders nur weniger ankommen. Oder es fließt Geld aus meinem Notfallbudget ab ^^

Unter dem Strich hebele ich damit den Cost-Average-Effekt und drücke meinen durchschnittlichen Einstandskurs runter. Das sollte mir auf mittlere Sicht einen höheren prozentualen Gewinn bescheren.

Diese Sparpläne hatte ich von März bis Juli teil übergewichtet und ab August teilweise ausgesetzt, weil mir die Barreserven ausgegangen sind, die Kurse sich erholt hatten und ich meine Reserven wieder aufbauen wollte. Ab November wird weiter monatlich bespart.

Antizyklisch – Spekulationen

Hier kommen wir zur anderen Seite meiner Investments. Den Spekulationen.

Eine Investition ist für mich etwas, das heute Geld kostet und mir Einkommen beschert, das auf lange Sicht die Kosten übersteigt. Wie geil das Investment ist, bestimmt die Zeit zwischen Kauf und Break even. Je kurz von “Invest” bis “Geld wieder raus”, desto geil. #vastehste

Bei einer Spekulation kauft man etwas ein in der Hoffnung es später zu einem höheren Preis wieder zu verkaufen. Die Differenz ist dann der Gewinn. Oder eben Verlust. Es generiert aber keinen stetigen Einkommensstrom.

So viel zu Investment vs. Spekulation. Meine Sparpläne sind für mich eine Investition, da ich fest damit rechne auf lange Sicht einen Einkommensstrom daraus zu erhalten, da große erfolgreiche Unternehmen dazu tendieren eine Dividende zu zahlen und diese nach und nach je Anteil zu erhöhen.

Spekulationen hingegen betreibe ich mit einem kleinen Anteil meines Kapitals hebenher – HEBENHER Verschuldige, Tippfehlertourette – nebenher. Und jetzt in der Coronakrise mit einem größeren Anteil. Aktien, bei denen ich Einzelkäufe tätige, weil ich glaube, dass sie kurz- bis mittelfristig stark steigen werden. 

Zum Beispiel, weil ich nach meiner Recherche denke, dass das Unternehmen über kurz oder lang bessere Ergebnisse erzielen wird als der restliche Markt, wie ich es bei Tesla und CD Projekt glaube.

Oder, weil ich denke, dass eine Aktie durch kurzfristige negative Meldungen ungerechtfertigt stark gesunken ist, wie bei Boeing und Wirecard (zu Wirecard später nochmal…).

Oder, weil der gesamte Markt einen Crash erlebt und Unternehmen, die mir immer zu teuer waren, auf die aber eines oder beide der genannten Kriterien zutreffen.

Antizyklisch nennt man diese Methode, da sie entgegen der Marktbewegungen passiert, die in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen geschieht. Es geht immer rauf und runter. Niemand weiß vorher wie weit es rauf geht, bevor es runter geht und anders herum. Das macht es interessant.

Ich versuche immer zu kaufen, wenn es runter geht. Beim Verkaufen tue ich mich noch etwas schwer. Der Vorteil ist, wenn man das kaufen richtig anstellt und das verkaufen komplett weglässt, steht man unterm Strich noch immer gut da. Das lässt sich auch umkehren. Anders herum steht man immer schlechter da.

Wenn alle verkaufen kaufe ich. Wenn alle kaufen, verkaufe ich (theoretisch irgendwann). Das ist antizyklisch. Und spekulativ. Denn ich spekuliere darauf, dass nach der Phase, in der alle verkaufen, auch wieder eine Phase kommt, in der alle kaufen.

Aber jetzt zu unserer Sondersituation hier.

Der Crash

Die meiner Meinung nach wichtigste Philosophie beim Spiel an der Börse: Ich habe keine Ahnung. Ich bin kein Profi, nur Hobby Investor. Und die Profis sind auch nicht viel besser als der Gesamtmarkt. Aber ich vertraue Daten, Fakten und der wissenschaftlichen Methodik. Und die sagt mir, was man im Crash zu tun hat: 

#1: Die Eier haben nicht zu verkaufen. 

#2: Die Eier haben zu kaufen.

#3: An Geld kommen, um zu kaufen.

In genau der Reihenfolge.

Corona Crash! Die Börse bricht um 10% ein! Kaufen! Oder nicht kaufen? Was, wenn ich jetzt kaufe, aber es geht noch weiter runter? Besser doch nicht kaufen. Aber was, wenn es schnell wieder hoch geht? Besser doch kaufen! Oder doch nicht? Was soll man machen?!

Kaufen. Und zwar in Stufen.

Disclaimer: Das ist keine Anlageberatung oder Aufforderung zu kaufen, wenn Kurse fallen. Ich bediene mich der Aussagen, in der ich von “man sollte” spreche als künstlerisches Mittel, um den Inneren Dialog mit mir selbst zu veranschaulichen.

Mein größtes psychologisches Problem in solchen Situationen ist die reine Gier. Möglichst wenig Verlust machen und möglichst viel Gewinn einstreichen! Also am besten auf dem Höhepunkt verkaufen und am Tiefpunkt wieder einsteigen. Kein Geld verloren und mehr Anteile an den gleichen Unternehmen erhalten, als man vorher hatte. Dabei hat man am besten noch die Firmen aussortiert, bei denen sich die Überlegungen, die man beim Kauf hatte, als falsch herausgestellt hatten.

Weniger Wirecard, mehr Tesla. Perfekt.

Perfekt am Arsch.

Die wissenschaftliche Methodik sagt mir, dass ich es nicht verlässlich schaffen kann die Hoch- und Tiefpunkt zu erwischen. Life hack: Also versuche ich es gar nicht erst. Stattdessen nutze ich den Durchschnittseffekt. Wie bei den Sparplänen.

Und ich nutze diesen Cost-Average-Effekt nur bei der Auslenkung nach unten. Alle 10% nach unten investiere ich einen Teil meiner Cash Reserven.

Da ich mir noch nicht sicher genug bin mit den einzelnen Unternehmen, die ich beobachtet habe, habe ich sogar ganz feige einen ETF gekauft anstatt einzelne Unternehmen. Und zwar den S&P 500. Das war vielleicht auch ein Grund, warum ich mich vorher auf diesen Index bezogen habe.

DAS ENDE

dieses Artikels ist damit erreicht. Ich bin mit einen Ausführungen, wie ich im Corona Crash und auch sonst investiere, am Ende. Solltest Du es nachmachen, weil es sehr erfolgreich ist? 

Ich habe keine Ahnung! 

Ich für meinen Teil denke schon, sonst würde ich es ja nicht machen, aber wer bin ich, Dir vorzuschreiben, was du tun sollst? Das wichtigste ist nach wie vor anzufangen, die ersten Euros unausweichlich in den Sand zu setzen, um danach den Schneeball ins Rollen zu bringen.

Ich habe 2017 und 2018 einige Investments mit kleinem Geld in den Sand gesetzt, um jetzt eine Idee davon zu haben, wie es nicht geht. Bis jetzt geben mir die Ergebnisse Recht:

Corona Performance
Corona Performance

Das Diagramm stellt den Gewinn in meinem gesamten Vermögensportfolio dar. Die Grundline in dem Diagramm ist 0. Nachdem ich mich in 2019 aus der Verlustzone gekämpft habe, verläuft die Corona Zeit also soweit sehr gut.


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