Hiermit möchte ich euch einmal meine Anfänge als Investor zeigen und meine Ansichten zu der Anlageklasse der P2P-Kredite näherbringen.

Was sind P2P Kredite?

Peer-to-Peer wurde als Begriff in der Informatik geprägt und bedeutet, dass zwei Rechner – die sogenannten Peers – direkt miteinander verbunden sind und so kommunizieren können. Somit wurde einige Zeit lang direkter Datenaustausch zwischen zwei Computern realisiert. Später, in größeren Netzwerken, wurden p2p Modelle verwendet, um zunächst über das Netzwerk denjenigen Rechner zu finden, der die Daten von Interesse besitzt. Danach wird eine direkte Verbindung geschaltet und die Daten fließen zwischen den zwei Peers.

Ähnlich funktioniert das auch mit realen Personen und Geld. Investoren und Kreditnehmer – die beiden Peers – treten einem Netzwerk bei – die P2P-Plattformen – und stellen Kapital respektive ein Darlehensgesuch bereit – Angebot und Nachfrage. Finden sich beide, wird ein Vertrag geschlossen, das Darlehen ausgegeben und das Geld fließt quasi direkt vom Investor zum Kreditnehmer wie in einem p2p-Netzwerk.

Es handelt sich also um Kredite von Privatpersonen an Privatpersonen. Anstatt zu einer Bank zu gehen und einen Kredit aufzunehmen, können Leute über diverse Kanäle im Internet an Geld kommen, das dann von völlig anderen Leuten bereitgestellt wird. Dabei kennen die Leute sich nicht und werden sich auch nie kennenlernen.

An dieser Stelle könnte man sich fragen, was ein Investor davon hat jemand Wildfremden Kredit zu geben. Natürlich die Zinsen, die er darauf erhält. Diese sind historisch gesehen sehr attraktiv im Vergleich zu anderen Anlageklassen. Wir sprechen hier von zweistelligen prozentualen Zahlen an jährlichen Zinsen im Schnitt.

Wie bin ich darauf gekommen?

Der p2p Markt war im Prinzip mein Einstieg in die Welt des Investierens. Nachdem ich zwei Jahre das Gehalt einer festen Anstellung genossen, gute gelebt und meine angestauten Rechnungen und Anschaffungen aus Zeiten von Ausbildung und Studium abgearbeitet und mir ein zwei Dinge gegönnt hatte stellte sich mit ganz sporadisch die Frage: „Wie wär‘s eigentlich mal mit: ein bisschen Geld zur Seite legen?“, wie es mir anerzogen wurde.

Ich holte einen alten Bausparvertrag aus Schulzeiten heraus, den meine Eltern für mich abgeschlossen hatten und habe einfach mal einen Dauerauftrag eingerichtet, ihn wieder bespart. Weil man halt einen Bausparvertrag hat. Das habe ich gar nicht weiter hinterfragt. Nachdem ich die ersten Buchungen dahingehend auf meinem Konto sah und merkte, dass sich mein monatliches Geld gar nicht weniger anfühlte, dachte ich mir: „Da geht noch was.“

Ich erinnerte mich an Fernsehwerbung von Auxmoney, wo Privatleute anderen Privatleuten Geld leihen können, die damit dann ihre Träume erfüllen. Die Werbung hat ihren Dienst bei mir getan und ich mich dort angemeldet. Sogar das Post-Ident Verfahren habe ich als damaliger vorzeige-Behördenmuffel durchlaufen und Schwupps waren auch hier die ersten Euros investiert. Es war aufregend die verschiedenen Projekte selbst auszuwählen und gespannt abzuwarten, ob sie vollständig finanziert wurden und ab wann dann die Rückzahlungen und Zinseingänge zu beobachten waren.

Es ging dabei um kleine Beträge von hier mal 100 Euro, den nächsten Monat mal 50, dann mal 75. Man muss dazu sagen, dass Auxmoney als P2P-Plattform – im Vergleich zur heutigen Konkurrenz – sehr schwerfällig ist und es einige Tage dauern kann, bis ausgewählte Projekte vollständig finanziert sind, also neben einem selbst genügend Leute einen Anteil an der Gesamtsumme bereitgestellt haben, um diese dann zu erreichen. Crowdfunding Prinzip. Dann dauert es nochmal ein paar Tage oder Wochen, bis die Plattform mit dem Kreditnehmer alle Formalien durchgearbeitet hat und die Verträge unterschrieben und angekommen sind. Dann dauert es wieder ein paar Wochen, bis die ersten Rückzahlungen fällig werden. Meiner Erfahrung nach sind im Schnitt 2,5 Monate vergangen zwischen Investment und erstem Cashflow, also Rückzahlungen mit Zinsen.

Wie ging es dann weiter?

Mit der Zeit habe ich das Thema Auxmoney auf den Aufwand reduziert einmal im Monat mit dem neuen Investitionskapital aus einem Dauerauftrag in wenigen Minuten halbherzig ein paar Projekte auszuwählen, die sehr wahrscheinlich gefundet würden. Nach und nach habe ich selbst das vernachlässigt und die Plattform einfach ihre Arbeit machen lassen. Irgendwann kam im Büro in einer Mittagspause das Gespräch auf Investitionen und was man mit welcher Rendite erreichen kann. Angeheizt vom Hype um Kryptowährungen im Laufe des Jahres 2017 haben wir mal mit den Zahlen herumgespielt und uns ausgerechnet, was denn wäre, wenn man nachhaltig mit 30% oder mehr anlegen könnte.

Der Traum der finanziellen Freiheit, also nicht mehr arbeiten zu müssen, erschien plötzlich ganz nah! Daraufhin haben wir über mein Auxmoney Investment diskutiert, mit dem ich laut Auxmoney Angaben zu der Zeit rund 12% Rendite machte. Selbst da machte sich mit einer sportlichen Sparrate einige Hoffnung auf eine verfrühte Rente. Ich war angefixt. In den folgenden Wochen und Monaten investierte ich etwas Geld in Kryptowährungen wie Bitcoin und vor allem die in dem Krypto-Microkosmos vorhandenen p2p-ähnlichen Formen. Man kann dort auf Börsen zu einem gewissen Zinssatz seine vorhandenen Währungen an andere Marktteilnehmer verleihen, damit diese mit Fremdkapital – also meinem Geld – größere Hebel auf ihre Trades nutzen können. Das speziell soll hier kein Thema werden, doch die Hebelwirkung durch Fremdkapital wird auf diesem Blog noch häufiger auftauchen.

„Bildung hat die höchste Rendite“

 – Forke

Worin ich neben Kryptowährungen jedoch hauptsächlich investierte, war Bildung. Bildung, Bildung, Bildung. Und zwar kaum Geld, sondern vor allem Zeit. Im Auto auf dem Arbeitsweg hörte ich Hörbücher zum Thema Geld. Zuhause schaute ich YouTube Videos, lernte langsam die Community kennen, entdeckte die Leute mit dem qualitativ hochwertigen Content und begann auch mehr über meine Anlageklasse der p2p Kredite zu erfahren. Nachdem ich immer wieder auf Schlagwörter wie „Diversifikation“, „Klumpenrisiko“, „Diversifikation“, „Asset Allocation“, „Diversifikation“, „Cost-Average Effekt“ und „Diversifikation“ stieß, beschloss ich meine Anlagen zu erweitern und mehr p2p Plattforen in mein Portfolio aufzunehmen wie Mintos und Bondora. Weitere sollten auch noch folgen.

Was kommt dabei rum?

Beim Stand zu Redaktionsschluss vom 07.09.2018 beträgt meine nach Kapitaleinsatz gewichtete durchschnittliche Jahresrendite über alle Plattformen, in denen ich investiert bin, über 24,84%. Man muss dazusagen, dass dies eine statistische Zahl ist, die davon ausgeht, dass die bisher gelieferte Performance den Rest des Jahres anhält. Da die Zinsen hier und da etwas sinken und ich anfangs von ein paar Einmaleffekten profitieren konnte, muss die Zahl also nach unten korrigiert werden.

Stand Anfang September

Absolut gesehen über alle Zeiträume habe ich aktuell eine tatsächlich realisierte Rendite von 11,12% auf mein investiertes Kapital erhalten. Diese muss wiederum nach oben korrigiert werden, da ich beständig investiere und frische Investitionen die tatsächliche Rendite älterer Investitionen herunterziehen, da sie selbst eben noch keine Rendite erwirtschaftet haben. Dazu kommt, dass ich bei Auxmonay im März letzten Jahren und bei den anderen erst dieses Jahr eingestiegen bin.

Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen mit einer Tendenz zu den 11,12%. Dies ist übrigens eine reine Eigenkapitalrendite ohne Hebel. Ich habe bisher keine Kredite aufgenommen, obwohl es noch so verlockend und fast schon fahrlässig ist, es nicht zu tun, bei den aktuellen Zinsen, aber wieder zurück zum Thema.

In einem Jahr werde ich erneut Bilanz ziehen und einen entsprechenden Blogbeitrag veröffentlichen. Bis dahin kann dies hier dokumentarisch mindestens als Zwischenbilanz gesehen werden.

Welche Plattformen bespare ich?

Mintos – Investiert seit Januar 2018

Mintos ist der Big Player unter P2P-Unternehmen, gegründet 2015 mit Sitz in Riga und seit 2017 ’sogar‘ profitabel. Die Besonderheit und lange auch das Alleinstellungsmerkmal von Mintos ist, dass das Unternehmen als Marktplatz für sogenannte Darlehensanbahner fungiert. Das bedeutet, dass Mintos selbst keine Kredite vergibt, sondern, dass dies von Partnerunternehmen in aller Welt durchgeführt wird. Die Kredite sind alle bereits finanziert und laufend und werden über die Plattform dann an Privatinvestoren weitervermittelt. Jedes der Partnerunternehmen steht bei jedem Kredit mit einem Bein, der Risikobeteiligung, mit im Boot und so wird unter anderem sichergestellt, dass dubiose Firmen nicht einfach ihre faulen hoch Risiko Kredite in die Privatwirtschaft abladen.

Insgesamt ist Mintos ein wachsendes reales Unternehmen mit einigen Dutzend Mitarbeitern und nicht nur eine Briefkastenfirma in Lettland. Genaueres zu dem Unternehmen gibt es auf deren Webseite selbst und später noch in einem weiteren Blogartikel. Ich sehe sehr viel Potenzial in Mintos, alle Punkt davon hier an- oder durchzusprechen würde hier jedoch jeglichen Rahmen sprengen.

Bondora – Investiert seit Januar 2018

Bondora ist ein weiterer großer Vertreter der Branche. Dieser Laden verfügt sogar über weitaus mehr Erfahrung. Geboren ist die Plattform in der Finanzkrise 2008, als es schwierig war überhaupt an Kredite zu kommen und damit schon über 10 Jahre am Markt. Im Gegensatz zu Mintos bietet Bondora seine Kredite selbst an. Das bedeutet, dass sämtliche Geschäfte – vom Kreditabschluss eines Spaniers, über die Eintreibung verspäteter Zahlungen in Finnland, bis zum erfolgreichen Abschluss sämtlicher Rückzahlungen, sowie Buchhaltung und Weiterentwicklung des Dienstes in Tallin, Estland – mit und über die Firma abgewickelt werden.

Ein weiterer Unterschied von Bondora gegenüber den anderen Plattformen in meinem Portfolio besteht darin, dass die ausgegebenen Kredite nicht mit einer Rückkaufgarantie versehen sind, sondern, dass ein Ausfall auch einen tatsächlichen Ausfall bedeutet. Das mag auf den ersten Blick erst einmal nach einem Nachteil klingen. Das ist jedoch ein rein psychologischer Effekt und bringt eher in der aktuellen Marktumgebung sogar eher Vorteile mit sich. Auch dazu wird es jedoch in einem eigenen Blogartikel noch einmal mehr ins Detail gehen.

Auxmoney – Investiert seit März 2017

Zu der P2P-Plattform habe ich eingangs bereits etwas gesagt. Was noch nicht gesagt wurde, ist, dass meine letzte Investition dort im Februar 2018 stattgefunden hat und ich sämtliches Geld nun nach und nach abziehe und in andere Projekte umschichte.

Als einstieg war die Plattform großartig, denn sie verhindert, dass man wild hin und her investiert. Als clevere Investoren wir wissen: Hin und her macht Taschen leer. Auch die fehlende Möglichkeit die Investitionen automatisiert zu tätigen – das ist erst ab 1000€ Kapital möglich – hat dazu geführt, dass man sich mindestens einmal im Monat mit dem Thema beschäftigen muss. Dies und weiteres sind Faktoren, die vielleicht als Investitionsneuling ganz cool sind, jedoch bei der Plattformbewertung ganz klar Nachteile darstellen.

Ob ich zu Auxmoney einen extra Artikel schreiben werde? Ich denke eher nicht, da ich mit der Plattform abgeschlossen habe und lieber nach vorne zu den Chancen sehe statt zu dem, was war und woraus ich bereits meine Lehren gezogen habe. Hier gibt es nicht zu sehen, gehen Sie bitte weiter. Im Gegensatz zu den anderen Anbietern werde ich hier keine Empfehlungs-Links einfügen, da ich nach dem Glaubenssatz lebe, nur das zu empfehlen, wovon ich auch überzeugt bin.

Weitere Plattformen

Die drei vorhergehenden P2P-Plattformen sind in meinem Portfolio bisher die wichtigsten und haben auch in der Kapitalverteilung die höchsten Gewichte. Die weiteren Plattformen dienen mehr oder weniger der Diversifikation innerhalb der Anlageklasse. Dazu kommt meine Absicht immer auch links und recht der vermeintlichen Ideallösungen nach neuen Innovationen und guten Konditionen Ausschau zu halten. Das geht ganz gut, wenn man sich hin und wieder mit den Konkurrenten beschäftigt. Und das wiederum geht ganz gut, indem man dort investiert ist.

Die folgenden Vertreter möchte ich nur grob anschneiden, um den Artikel nicht in die Dimensionen eines eBook abdriften zu lassen.

Twino – Investiert seit Februar 2018

Twino war eine Zeit lang die Go-To Adresse für P2P Investments. Das Unternehmen hat ein wenig an Gunst in der Investorencommunity verloren. Das liegt weniger daran, dass sie etwas falsch gemacht haben, also viel mehr an dem überwältigenden Siegeszug von Mintos und Bondora, sowie dem Aufblühen der Branche allgemein. In den letzten Jahren und Monaten sind immer mehr neue Plattformen an den Start gegangen, die ihren Teil am Markt beanspruchen, die Konkurrenz steigt schlicht und ergreifend

PeerBerry – Investiert seit März 2018

Ein gutes Beispiel für eine dieser neuen Konkurrenten ist PeerBerry. Sehr unkomplizierte Bedienung, kaum Schnickschnack, an dem man sich aufhalten kann und bis vor kurzem für eine junge Plattform überraschend hohe Kreditverfügbarkeit.

Grupeer – Investiert seit August 2018

Hier wird es spannend. Denn es handelt sich ausschließlich um Finanzierung von Immobilienprojekten. Genau genommen fällt Grupeer damit aus der Idee der Privatkreditvergabe heraus, da es sich um Projekte von Firmen handelt. Mit den Krediten werden auch keine Haushaltsausgaben, Fernseher oder Autos finanziert, sondern Immobilien. Die Anlageklasse schwenkt also genaugenommen von Konsum zu Immobilien um.

Hierzu werde ich auch einen eigenen Artikel mit mehr Details schreiben, der sowohl das Crowdinvesting in Immobilien als auch noch ein bis zwei weitere Plattformen, wie zum Beispiel EstateGuru, die in dieselbe Kerbe schlagen, zu beleuchten.

Swaper – Investiert seit August 2018

Swaper ist wie PeerBerry ein Emporkömmling der Welle an neuen Plattformen und bietet attraktive Zinssätze kombiniert mit sehr einfacher Bedienung. Leider ist das Wachstum der Plattform etwas über den Kopf gestiegen und sie haben große Schwierigkeiten die Investoren zu bedienen. Mein Geld lag dort wochenlang herum, weil es einfach keine Kredite zur Investition gab. Ich hatte die Plattform vorher schon länger beobachtet und sah nie auch nur einen Kredit ausstehen.

Ich hoffe, dass der Hype bald abflacht und die Kredite folgen, ohne die Qualität dieser zu senken, denn von den beiden Plattformen Swaper und PeerBerry erhoffe ich mir noch einiges.


*Manche Links in diesem Artikel sind Teil eines Partnerprogramms. Das bedeutet, dass ich eine Provision erhalte, solltest Du über meine Empfehlung eine Transaktion abschließen. Du hast davon meistens Vorteile und nie Nachteile. Es hilft lediglich die Kosten des Blogs und zugehöriger Projekte zu decken. Ich empfehle nur Produkte und Plattformen, die ich selbst nutze und gut finde. Außerdem haben eventuelle Provisionen keinerlei Auswirkungen auf meinen hier getätigten ehrlichen Einschätzungen und Aussagen zu Unternehmen und Produkten.


1 Kommentar

Mintos – Der P2P-Branchenprimus aus Lettlands Hauptstadt Riga – Investforke · 14. Oktober 2018 um 20:01

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