Du willst Dich ums Investieren kümmern, wenn du mal zu Geld kommst? 
In der Reihenfolge wird es dir wie den meisten leider nie passieren.

Viel Geld zu verdienen macht Dich nicht reich

George Best gilt als einer der besten Fußballer, den die Welt je gesehen hat. Mit Manchester United hat er jede Menge Erfolge erzielt, nationale und internationale Titel gewonnen. 1968 gewann er im Alter von 22 Jahren die Champions League (damals noch Europapokal der Landesmeister) und wurde zum Fußballer des Jahres gewählt. Nach seiner Karriere erregte er weniger durch Glanztaten Aufmerksamkeit. Vielmehr fiel er durch einen extravaganten Lebensstil und betrunkenes Auftreten in der Öffentlichkeit auf.

Mike Tyson war ein Superstar unter den Boxern. 1986 wurde er mit 20 Jahren zum jüngsten Schwergewichtsweltmeister. Bekannt ist er jedoch weniger für seine Weltmeistertitel, als seinen Gefängnisaufenthalt und, dass er im Ring mal einen Gegner gebissen hat. Drogen, Alkohol und Prostituierte begleiten ihn während und nach der aktiven Karriere. Im Jahr 2003 vermeldete er seinen Bankrott. Aus Einnahmen von über einer halben Milliarde Dollar, wurde ein Schuldenberg von 27 Millionen.

Die Geschichte ist voll von jungen Sportlern deren Karriereverlauf von Beginn an der Flugbahn einer Rakete nach dem Start gleicht. Sie verdienen plötzlich für die meisten von uns unvorstellbare Mengen an Geld. Nach dem Abebben der sportlichen Höchstleistungen und dem Ausklingen der Karriere folgt dann auch oft auch das steil abwärts gerichtete Ende wie bei einer Rakete. Finanzielle und persönliche Probleme treten auf und gelangen im großen Knall an die Öffentlichkeit. Der American Football ist gespickt mit solchen Persönlichkeiten und Dramen.

Es geht nicht darum, wie viel Du verdienst, sondern wie viel Du behältst.

An einem Punkt in seinem Leben an viel Geld zu kommen, macht also offenkundig nicht nachhaltig reich. Was haben die gefallenen Sterne gemeinsam? An welchem Punkt in ihrem Leben sind sie falsch abgebogen, dass es dazu kommen konnte? Im Grunde ist das Problem der Supererfolgreichen kein anderes als das Problem der Durchschnittsbürger. Mit plötzlich steigendem Einkommen kommt die Euphorie darüber, was man sich plötzlich alles leisten kann. Ein neues Auto, eine größere Wohnung, teurerer Wein, mehr Wein, weniger Arbeit und beeindruckendere Partys.

Dabei spielt es keine Rolle, ob wir nach der Schule eine Ausbildung beginnen, nach dem Abschluss eines Hochschulstudiums in den Ingenieursjob einsteigen oder noch viel früher von einem Scout entdeckt und bei einem Profiverein unter Vertrag genommen werden. Wenn wir nun in die einkommensgenerierende Bevölkerung aufsteigen und plötzlich 500, 20.000 oder 5.000.000 Euro mehr im Monat zur Verfügung haben, eines ist sicher: wir schaffen es immer das Geld, das wir haben, auszugeben. Wie viel auch immer wir verdienen, innerhalb von wenigen Monaten gewöhnen wir uns daran und haben unseren Lebensstandard daran angepasst.

Mir erging es da übrigens kein bisschen anders. Bei Berufseinstieg plötzlich doppelt so viel netto und trotzdem war am Monatsende das Konto leer.

Ein gutes Beispiel dafür, sich nicht dem unermesslichen Konsum hinzugeben: Muhammad Ali. Er war ebenfalls eine Boxlegende. Vielmehr ist er es noch heute, obwohl bereits verstorben. Bekannt war er für seine großartigen Erfolge im Boxen und darüber hinaus nicht für einen extravaganten Lebensstil, sondern als Gegner des Vietnam Krieges und öffentlicher Kriegsdienstverweigerer. Letzteres kostete ihn eine Zeit lang seine Boxerlizenz. Auch er verdiente Millionen durch seine Kämpfe. Schulden kannte Mohammad nicht.

David Beckham gehört wie George Best zu den besten und bekanntesten Spielern der Fußballgeschichte. Wie Ali gilt er nach wie vor vielen Menschen als Vorbild in vielerlei Hinsicht.

Was wir daraus lernen können

Was unterscheidet also Menschen wie Ali und Beckham von den Tysons und Bests dieser Welt? Sie haben ihre Einkommen nicht vollkommen verkonsumiert. Ihren Lebensstandard nicht parallel mit ihrem Gehalt skaliert. Stattdessen haben sie Geld gespart und investiert, um sich für den Fall abzusichern, dass ihre Haupteinnahmequelle, der Leistungssport, einmal wegfallen sollte.

Unter Konsum (lateinischconsumere „verbrauchen“) wird allgemein der Verzehr oder Verbrauch von Gütern verstanden. Im volkswirtschaftlichen Sinne steht der Begriff für den Kauf von Gütern des privaten Ge- oder Verbrauchs durch Konsumenten (Haushalte). Betriebswirtschaftlich wird oft der Output von Gütern als Konsum bezeichnet.

wikipedia/Konsum – zuletzt besucht am 02.09.2018

Konsum kommt also aus dem Lateinischen und steht für Verbrauch. Bei mir ist mit Konsum alles gemeint, womit wir Werte verbrauchen, was aber nicht unbedingt notwendig ist. Wenn wir eine neue Hose brauchen, ist es notwendig dafür Geld auszugeben. Wenn wir 200€ für diese Hose ausgeben oder schon 10 passende Hosen zuhause haben, ist es eine Konsumentscheidung.

Ganz gefährlich wird es dann, wenn man sich nicht nur an sein neues hohes Einkommen gewöhnt, sondern auch an die stetige Steigerung eben dessen und beginnt mehr Geld auszugeben, als man überhaupt hat oder verdient, denn bald kommt ja mehr. Konsumschulden anzuhäufen ist das schlimmste Vergehen auf dem Weg zu finanzieller Unabhängigkeit. Es steht dem Erfolg im Allgemeinen im Weg. Es ist wie mit dem Zug von Gleis 3 nach Westen reisen zu wollen und stattdessen mit einem Taxi nach Osten zu fahren.

Neben dem Fußball fielen David Beckham und seine Frau Victoria nicht durch öffentliche Prahlerei, also Konsum, in der High Society oder durch Fehltritte im Privatleben auf. Durch die Vermarktung ihrer selbst in Werbung und eigenen Marken wurden sie zu Stars der englischen und internationalen Popkultur. Sie haben Zeit und Geld in ein weiteres Standbein investiert. Dieses Geld haben sie nicht verkonsumiert, sondern zunächst einmal gespart. Das ist der erste und damit wichtigste Schritt der finanziellen Absicherung.

Egal, wie viel oder wenig jemand verdient. Man kann es immer schaffen auf ein unnötiges Konsumgut zu verzichten und einen gewissen Prozentsatz seiner Einkünfte sparen. Zeit und Durchhaltevermögen sind hier nicht zu unterschätzende Faktoren. Darum, wie genau man sich mit dem Sparen von nur beispielsweise 10% seiner monatlichen Einnahmen, eine vom Staat oder der betrieblichen Altersvorsorge unabhängige Rente aufbauen kann, bei der man seinen Lebensstandard zu den Hochzeiten seiner Karriere kein bisschen einbüßen muss, geht es in einem anderen Artikel genauer.

Wichtig ist in erster Linie zu verstehen, dass Sparen eine absolute Notwendigkeit ist und jede kleine unnötige Konsumausgabe sofort den Lebensstandard für den Rest deines Lebens senkt. Ein kleines Rechenbeispiel ist die sogenannte 300er Regel. 300€, die du ansparst und zu 4% jährlich verzinst anlegst, was konservativ und durchaus realistisch ist, ergeben jeden Monat einen Euro passives Einkommen, für das Du nichts mehr tun musst. Für den Rest deines Lebens.

Musst Du Dir jetzt einen asketischen Lebensstil aneignen?

Ganz sicher nicht. Es geht nicht darum, sich beim Bäcker nur noch die Waren vom Vortag zu besorgen. Es dürfen jedoch auch nicht immer die Rosinenbrötchen sein. Die richtige Verhältnismäßigkeit macht’s.

„Ich habe viel Geld für Frauen, Autos und Partys ausgegeben. Den Rest habe ich einfach nur verprasst.“

George Best

Es lässt sich natürlich leicht sagen: Schmeiße einfach nicht so viel Geld aus dem Fenster. Lege lieber etwas von deinen Einkünften an.

Tatsächlich ist es auch so einfach. Zeit und Disziplin erledigen den Rest. Aber hier ist auch gleichzeitig das große Problem. Disziplin ist nicht sexy. Schnelle Autos und große Fernseher schon. Die Versuchung ist immer da. Verzicht lässt Dich in deinem Freundeskreis kurzfristig gesehen nicht gut aussehen. Die neue Playstation, der neue Porsche oder die neue Gucci Handtasche schon eher.

Du musst lernen und es ertragen öfter „Nein“ zu sagen, OBWOHL du es dir leisten könntest. Dass du es Dir leisten kannst mag zu dem jeweiligen Zeitpunkt zwar technisch gesehen stimmen – und selbst das ist oft nicht wahr –, da du mehr als genug Geld zur Verfügung hast. Doch wie schon mit der 300er Regel erwähnt, zieht dir jeder Euro, den du heute ausgibst, etwas vom Lebensstandard der Zukunft ab. So, wie jede Zigarette, die Du rauchst, deine Lebenserwartung um ein paar Minuten verringert.

Lass es nicht so weit kommen

Im Alter von 59 Jahren ist George Best an multiplem Organversagen gestorben. Mit seinen vielen Partys, für die er sein vieles Geld zum Fenster rauswarf, gewöhnte er sich nicht nur an das Geldausgeben, sondern auch an Drogen und Alkohol. Nicht nur seine Frau ließ sich scheiden. Die Alkoholsucht führte soweit, dass er einst in einer Talkshow zur Primetime live im Fernsehen in Farbe und bunt offensichtlich betrunken auftrat. Später wurde ihm aus Imagegründen das Amt des irischen Nationaltrainers verwehrt. Nach einer Lebertransplantation trank er weiter und erkrankte durch ein Medikament, das ihn am Leben halten sollte, so sehr, dass mehrere Teile seines Körpers gleichzeitig rebellierten und die an ihnen begangene Tortur beendeten.

Bei den meisten durchschnittlichen ist dieser Verlauf nicht so extrem, aber dennoch oft zu beobachten. Verwehre Dich der schleichenden Entwicklung des Gewohnheitskonsums, verfalle gar nicht erst dem Gedanken ‚Dir auch mal was zu gönnen‘ und mehr auszugeben, als du hast. Frage dich, ob die größere Wohnung es wirklich wert ist sich daran zu gewöhnen und noch mehr zu wollen und dieses zusätzliche Geld später, wenn das Einkommen wegfällt, nicht zur Verfügung zu haben.

Lebe den Glaubenssatz „Investieren statt konsumieren“, denn Investition ist nur ein Verzicht auf kurzfristigen Konsum, der dir langfristig immense Vorteile bietet und vielleicht sogar denselben einmaligen Konsum später regelmäßig erlaubt.

„Investieren bedeutet geringe kurzfristigen Vorteile gegen große spätere Erfolge einzutauschen“

Forke

P.S.: Vielen Dank, dass Du meinen ersten ordentlichen Blogartikel bis zum Ende gelesen hast! Lass mich doch unter den Kommentaren bitte wissen, was du dazu denkst.

Kategorien: Mindset

4 Kommentare

JB · 2. September 2018 um 22:31

Interessanter Artikel. Mit der Prämisse, den Konsum aufs Alter zu verschieben, ist der Ansatz sicherlich nicht verkehrt. Die Frage ist, wie lange verzichtet man wenn man jung ist, und wie lange kann man im Alter von seinem Geld profitieren. Wie hälst du das in der waage?

    forke · 3. September 2018 um 10:07

    Hey JB,
    der Konsum soll nicht auf’s Alter verschoben werden, sondern in die Zeit, in der man es sich leisten. Im Prinzip verzichtet man auf gar nichts, wenn man erst einmal verstanden hat, dass man nicht alles, was rein kommt, dafür da ist, dass es auch wieder rausgeht. Durch Steuern und die gesetzlichen Rente ist es schon so. Nur, dass es sich dabei um eher weniger gut angelegtes Kapital handelt. So kann man seinen Lebensstandard auf Dauer immer weiter erhöhen und muss in Alter auch nicht drauf achten, wie lange das reicht. Solange Du noch irgendwo Zinsen auf Investments bekommst und diese Zinsen deine monatlichen Lebensstandardkosten übersteigen, gibt es kein Ende. Das ist dann eine Rente. Wie man sich ausrechnet, wie viel das dann sein muss kommt noch in einem anderen Artikel. Wie man Zinsen auf sein Geld bekommt, auch.

ReCon · 3. September 2018 um 13:12

Wohlwollende Feststellung meinerseits:
Da gibt es nahezu philosophische Ansätze, welche sich auf einer tiefergehenden Einsicht begründen. Das Prinzip ist klar herausgestellt, faktisch mit populären Beispielen hinterlegt und – richtig.
Zuende gedacht aber noch nicht, denn Anlageformen, welche auf einem Zinzsystem beruhen sind, meiner Meinung nach, aus verschiedenen Gründen grundsätzlich fragwürdig.

    JB · 16. September 2018 um 12:02

    Möchtest du deinen Einwand näher ausführen?

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